Springe zum Inhalt


Fenster von Walter Jüstrich in der evangelischen Kirche Berneck (Treppenaufgang): Schöpfung der Welt

Und Gott sah alles, was Gott gemacht hatte: Sieh hin, es ist sehr gut.
                                                                                     (aus der Bibel 1. Mose 1, 31)

Gottes gute Schöpfung ist bunt. Seine Hand ist oben in der Mitte im blauen Kreis zu sehen. Mit ihr segnet Gott das, was er erschafft.
Die Mondsichel steht links in der Nacht am Himmel, die Sonne rechts am Tag. Die Vögel fliegen fröhlich mit ihren grossen Schwingen umher.
Das blaue Wasser fliesst durch das ganze Bild: Flüsse und das Meer, darin die Fische.
Die Bäume recken und strecken sich rechts und links. Die Tiere laufen umher: Ein Hirsch, sind die anderen beiden ein Fuchs und ein Schaf? Die Schlange kriecht am Boden.
Farbige Vielfalt gibt es auf unserer Welt. Voll von roter Energie. Voll von lebensspendendem Wasser. Erfüllt von Gottes Geist, der Leben schafft.
Und ich stehe davor und betrachte alles. Ich bin ein Teil davon. «Es ist sehr gut», sagt Gott. Auch wenn mir das oft schwer fällt zu sehen: Gottes Schöpfung ist schön, und ich bin mittendrin!
                                                (Manuela Schäfer)

Kennen Sie das Gefühl, das sich einstellt, wenn ein Gast zu lange bleibt?

Das Abendessen samt Dessert ist längst verzehrt und zwischen zwei Schlucken Wein wirft man immer wieder mal einen verstohlenen Blick auf die Uhr und hofft, dass die fortschreitende Stunde den Abend irgendwann barmherzig beenden wird und man danach wieder seine Ruhe hat.

Ähnlich geht es uns mit Corona – mit dem Unterschied, dass es sich bei Corona keineswegs um einen geladenen Gast, sondern um einen ungebetenen Eindringling handelt. Ein Eindringling, der schnellstmöglich verschwinden und uns in Ruhe lassen möge, auf dass wir unseren (mehr oder weniger) friedlichen Alltag wieder zurückbekommen. Doch der ungebetene Gast wird wohl noch eine Weile bleiben und seine mutierten Freunde stehen auch schon vor der Tür.

Angesichts dieser Lage könnten wir uns ganz klassisch eine Nachdenkpause verordnen. Wir könnten zum Beispiel darüber nachdenken, ob wir unsere alte Welt tatsächlich 1:1 wiederhaben möchten.

Vor zwei Wochen, am 3. Januar, hat eine junge Frau, die schon vor Corona ganz konkrete Vorstellungen für die Zukunft hatte, ihren 18. Geburtstag gefeiert. Im August 2018 ging das Foto eines bis dato unbekannten 15-jährigen Mädchens, das vor dem schwedischen Parlament in Stockholm streikte, um die ganze Welt. «Schulstreik fürs Klima», war auf dem Schild des Mädchens zu lesen. Nur knapp vier Monate später sprach Greta Thunberg zu den Delegierten der UN-Klimakonferenz in Kattowitz (Polen). Millionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat Greta Thunberg gezeigt, dass es möglich ist, als junger Mensch etwas zu bewirken.

Welche Welt wollen wir (wieder)haben?

Im Windschatten von Corona wäre das die eigentlich wichtige Frage. Vermutlich werden wir im laufenden Jahr mithilfe der Impfung einen Umgang mit Corona finden. Der ungebetene Eindringling wird sich dann hoffentlich zurückziehen.

Die grossen ökologischen Fragen der Klimakrise und des Artensterbens lassen sich dadurch aber nicht lösen. Dafür braucht es unser Nachdenken und eine nachhaltige Veränderung unseres Lebensstils. Dass es möglich ist, bislang Unvorstellbares umzusetzen, hat die Coronakrise mehrfach bewiesen. Die Geschwindigkeit, mit der nötige Massnahmen weltweit umgesetzt wurden, und die Flexibilität ganzer Gesellschaften zeigen uns, zu welchen Anpassungs- und Veränderungsleistungen wir fähig sind, wenn ein Wille da ist. Über all das gilt es nachzudenken und dementsprechend zu handeln – solange noch Zeit dazu ist.

(Sabine Gritzner-Stoffers, Pfarrerin in Au-Heerbrugg)

Veröffentlicht im "Rheintaler" vom 16.01.2021 "Aus christlicher Sicht"

Quelle: Bild von fiffe23 auf Pixabay

Der Übergang von Silvester auf den 1. Januar signalisiert uns: Jetzt geht etwas zu Ende. Etwas Neues beginnt.

Die einen von uns stimmt das froh und inspiriert zu neuem Tatendrang. Sie ziehen Bilanz über das, was war, und versuchen, Altes hinter sich zu lassen.

Die allermeisten werden dem vergangenen Jahr wohl mit weniger Wehmut hinterherschauen als auch schon. Es ist an der Zeit, dass sich die Dinge zum Guten verändern. Pläne für die Zukunft werden geschmiedet, wenn auch verhaltener als sonst. Viele inspiriert der Jahreswechsel zu Wandel und guten Vorhaben. Es tut gut, innezuhalten, neu zu planen, sich zu besinnen. Mit aller Kraft unserer Wünsche wollen wir anfangen. Die Frische eines neuen Anfangs belebt. Unberührt liegt 2021 da, wie frisch gefallener Schnee ohne Spuren darin.

Doch auch andere Erfahrungen gibt es. Das neue Jahr begann mit guten Vorsätzen und endete allzu oft damit, dass alles beim Alten blieb. Es sind Jahreszahlen, die sich ändern, und nicht automatisch der Mensch selbst. Wir fragen uns, wo die Hoffnungen geblieben sind. Manches hat sich nicht erfüllt, die Kräfte sind verbraucht und das Jahr ist vorbei.

Das Rennen im Hamsterrad wird bald wieder anfangen, und spätestens am 4. Januar hat uns die Agenda wieder. Dies zu erleben kann auch sehr ernüchternd sein.

Das Kalenderjahr ist eine willkürliche Festlegung. Die jüdische und islamische Zeitrechnung sowie diejenige in den grossen Ländern Asiens zählt ganz anders. Auch bei uns ist der «Alte Silvester» im Appenzellerland ein Beispiel für unterschiedliche Berechnungen. Das christlich-kirchliche Kalenderjahr beginnt am 1. Advent! Es kommt ganz darauf an, was wir in den Mittelpunkt stellen, woran wir uns orientieren wollen. Das entlastet den Druck, der auf diesen Tagen liegen kann.

Wir können doch eigentlich selbst entscheiden, worauf wir uns konzentrieren. Für mich ist Silvester vor allem noch der sechste Tag nach Weihnachten! Wir zählen doch die Jahre nach der Geburt Jesu. Das ist die grosse Zeitenwende, weil mit der Geburt des Kindes Friede und Gnade, Heil und Freude zu uns gekommen sind. Mit der Ankunft Gottes ist die neue Zeit bei uns angebrochen.

Das ist es, was Menschen neu werden lässt. Nachhaltig, wie es so schön heisst, und nicht nur wegen eines Vorhabens oder Datums. Letzteres ist Zufall. Was ich daraus mache, liegt an mir. Ich möchte immer wieder mal einen Neuanfang feiern. An jedem Sonntag, an jedem Morgen habe ich die Gelegenheit dazu, mein Leben lang. Heute ist immer der erste Tag vom Anfang.

(Pfrin. Manuela Schäfer)
Erschienen im Rheintaler am 31.12.20

Oberstufenschüler/innen aus Berneck

Einen ungewöhnlicher Blick auf Weihnachtsgeschichte haben wir vorbereitet. Das, was zwischen den Zeilen steht. Das, was man durchs Schlüsselloch sieht. Im Film nennt man solche Szenen "Outtakes". Etwas, was in der offiziellen Version nicht vorkommt. Was anders gelaufen ist als erwartet, was schiefgegangen ist. Das kommt heute ans Tageslicht mit unseren Jugendlichen. Humor haben wir alle so dringend nötig. Und der Blick auf das Allzu-Menschliche, schon damals bei der Geburt Jesu, tröstet mich. Alle Akteure: normale Menschen wie Du und Ich, mit ihrer eigenen Art und Weise, ihren Begabungen und Schwächen. Und in allem zeigt sich Gott. Alle spielen ihre eigene Rolle bei der Geburt Jesu, werden gebraucht und in Dienst genommen. (ms)

Ein besonderes Jahr, besondere Umstände und sicherlich ein besonderes Weihnachtsfest – so viel steht fest. Das ist aber auch schon (beinahe) alles, was feststeht. Keiner weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt, was sein wird zu Weihnachten, wie sich die Umstände bis dahin entwickeln. Schon lange Geplantes musste und muss abgesagt werden in diesen Tagen: Adventsmärkte, Anlässe, Feierlichkeiten, viele kirchliche Veranstaltungen. Das bringt eine große Unsicherheit mit sich, ist anstrengend und oftmals auch traurig. Auch in Bezug auf die Planungen der Weihnachtsfesttage in der Familie stellt sich so manche Frage: wer kann zu Besuch kommen, wie organisieren wir das Fest, wie können wir miteinander feiern, ohne einander zu gefährden?

Diese ganzen Umstände hat niemand bestellt! Lieber wäre es uns, wenn wir wie in den vergangenen Jahren das Weihnachtsfest vorbereiten könnten und uns nicht derlei Gedanken machen müssten. Wir werden jedoch gar nicht gefragt, das Heft wird uns aus der Hand genommen. Und eines wird immer deutlicher: in der ganzen Instabilität, die unsere momentane Situation kennzeichnet, sehnen wir uns nach Sicherheit, nach Stabilität und guten Nachrichten.

Etwas, das ganz sicher stabil und verlässlich ist in diesen verunsicherten Tagen, ist die Botschaft von Weihnachten: Gott wird Mensch. Das bedeutet, dass Gott uns Menschen so nahekommt, wie nur irgend möglich - indem er selbst einer von uns wird, als Kind in der Krippe. Weihnachten ist das Fest der absoluten Gottesnähe – ganz egal ob Corona oder nicht. Abstandsregeln gelten für Gott nicht.

Vielleicht ist das genau die Chance dieser merkwürdigen Tage, in denen unsere gewohnte Feierkultur in Frage gestellt ist. Mitunter ist die Vorweihnachtszeit so gefüllt mit Terminen und Aktivitäten, dass wir manchmal Gefahr laufen den eigentlichen Grund für das Weihnachtsfest – die Nähe Gottes zu uns Menschen, das Kind in der Krippe – aus den Augen zu verlieren. 

Nach dem unverletzlichen Kern von Weihnachten zu fragen, könnte eine Chance für uns sein. So wie die Weisen aus dem Morgenland dem Stern am Himmel folgen, das Kind in der Krippe suchen und schließlich finden. „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren“, schreibt der schlesische Arzt, Mystiker und Dichter Johannes Scheffler (1624 – 1677), besser bekannt als Angelus Silesius, der schlesische Engel. Christus wird in Dir, in mir, in uns geboren – das klingt nach einer Einladung, sich auf die Suche nach Gott in unserem Leben zu machen, unabhängig von den Umständen der Gegenwart. Ich bin mir sicher, wenn wir aufmerksam hinschauen, werden wir das Himmlische aufblitzen sehen in unserem verletzlichen und im Moment so ungewohnten Alltag.

Wir sehnen uns nach Stabilität und guten Nachrichten. Die Botschaft von Weihnachten – dass Gott uns im Kind in der Krippe ganz nahe kommt – gibt beides her. Alle Jahre wieder erinnern wir uns daran, dass auf Gottes Nähe Verlass ist. Das eine gute und tröstliche Nachricht. (sgs)

Erstveröffentlichung Rheintaler Weihnachtspost vom 4.12.2020

Wir verbinden die Generation 65+ mit unseren Jugendlichen! Da in diesem Jahr keine Weihnachtsfeier möglich ist, wird eine kleine Gabe zu unseren Seniorinnen und Senioren nach Hause geliefert. Ein Zeichen - wir denken an Sie und sind miteinander verbunden.
Wir wünschen eine gesegnete Adventszeit!

Konzentration beim Falten der Briefe durch die Schülerinnen und Schüler der Religionsklasse
Im Kirchgemeindehaus Heerbrugg sah es aus wie im Hauptquartier des Samichlaus

(Fotos: lö)

In der wunderbar geschmückten katholischen Kirche feierten Pfarrer Josef Benz und Pfarrerin Manuela Schäfer mit der Gemeinde. Sie machten Mut, auch in der schwierigen Situation auf das zu schauen, wofür man dankbar sein kann.

Der Kinderchor "Rägeboge" unter der Leitung von Isabell Fässler gestaltete den Gottesdienst mit frohen Klängen mit. (ms)

Die Freude über das Abschiedsgeschenk war gross

Rund 250 Personen haben Ronald Kasper nach 20-jähriger Seelsorgetätigkeit in der reformierten Kirchgemeinde Berneck-Au-Heerbrugg in die Pension verabschiedet. Ronald Kasper hat die Kirchgemeinde stark geprägt. Das zeigte auch die grosse Teilnehmerzahl am Abschiedsgottesdienst: Die Kirche genügte bei weitem nicht – es musste auch der Kirchgemeindesaal geöffnet werden, um alle Teilnehmenden aufnehmen zu können. Eine Zahl, welche die Wertschätzung des Seelsorgers deutlich zeigte.

Der speziellen Situation angepasst trugen die Gäste Masken

Ein Teilnehmer fasste Ronald Kaspers Wirken „rheintalisch“ zusammen: „Dr Kasper hets eifach huerä guät gmacht.“ Das hat auch der rheinaufwärts gewanderte Seelsorger verstanden, der Zeit seines Wirkens den Basler nie verleugnet hat, aber trotzdem im Rheintal richtig heimisch geworden ist. „Im Konfunterricht ist beim Kasper immer etwas Baslerisches eingeflossen“, hat eine Konfirmandin kürzlich festgestellt.

Pfarrer mit Wurzeln und Flügeln
Kirchenpräsident Armin Bartl hat diese Erkenntnisse in seiner Laudatio zusammengefasst: „Ronald hat von seinen Eltern zwei wichtige Dinge mit auf den Lebensweg bekommen: Wurzeln, um Halt zu haben, und Flügel, um ins Rheintal zu fliegen.“ Die Kirchgemeinde hat von diesen beiden Gaben reichlich profitiert.
Bartl: „Er ist ein Rheintaler geworden mit Basler Wurzeln.“ Ronald Kasper habe es hervorragend verstanden, die christliche Botschaft verständlich, aber auch eindringlich zu vermitteln und mit feinem Humor zu würzen. Die Kirchgemeinde und ihre Mitglieder hätten von Ronald Kasper als Seelsorger sehr viel mit auf den Weg bekommen; und er sei für viele Menschen ein verständnisvoller und geduldiger Begleiter in schwierigen Lebensphasen gewesen, der die Leidenden mit grosser Empathie (mit-)getragen habe.

Ronald Kasper und Armin Bartl enthüllen das Geschenk, eine kettengesägte Holzskulptur

Eine Holzskulptur als Dank und Erinnerung
Armin Bartl dankte Ronald Kasper für den grossen Einsatz, den er während rund zwanzig Jahren für die Kirchgemeinde geleistet habe. Als Anerkennung dieser grossen Arbeit verabschiedete die Kirchgemeinde den Seelsorger mit einer kettengesägten Skulptur von Markus Löliger aus Berneck. Bartl und Kasper enthüllten die Skulptur gemeinsam. Der spontane Ausspruch des Geehrten: An dieser Skulptur stimmt wirklich alles, selbst meine Haltung gibt sie getreu wieder.“
Den herzlichen Dank und Präsente konnte Ronald Kasper auch von der Kantonalkirche entgegennehmen, deren Grüsse Manuela Schäfer überbrachte, sowie von katholischer Seite, die mit Kasper hervorragend
zusammenarbeiten konnte, und von den reformierten Nachbarkirchgemeinden, die viele Aktivitäten gemeinsam stemmen. Zur Erinnerung: Ronald Kasper war immer ein Verfechter der Zusammenarbeit und auch der Ökumene, die er besonders pflegte.

In 2000 Predigten die Bibel ausgelegt
Der scheidende Seelsorger blieb sich auch bei seiner letzten Predigt als Amtsträger treu: Er habe immer wieder bewusst Themen aus der Bibel zur Auslegung ausgewählt, die die Frau zum Thema haben. Daran hielt er auch am Abschiedsgottesdienst fest: Im Zentrum seiner Predigt stand: „Jesus und die kananäische Frau“ im 15. Kapitel des Matthäus-Evangelium. Diese Geschichte hat Ronald Kasper lange beschäftigt, weil sie nicht zu unserem Bild von Jesus passen will. Jesus weist eine nicht christliche Frau ab, die Hilfe braucht. Mit einfachen, aber eindringlichen Worten überzeugt sie Jesus, dass er nicht nur für die „Auserwählten“ da ist, sondern für alle Menschen. Damit werden alle Grenzen aufgehoben; alle Menschen sind vor Gott gleich. Es heisst nicht mehr: Wer gehört dazu. Es gehören alle dazu!

Ronald Kasper hat in seinen 38 Berufsjahren im Rheintal (er war vor Heerbrugg Pfarrer in Eichberg) 2000 Mal in Predigten die Bibel ausgelegt. Ein stattliches Werk und eine beeindruckende intellektuelle Leistung.

Predigt inmitten der vereinigten Männerchöre Au-Berneck-Heerbrugg

Breite musikalische Begleitung
Den Abschiedsgottesdienst haben die Männerchöre Heerbrugg und Au-Berneck sowie der Kirchen- und Gospelchor und der Musikverein Heerbrugg musikalisch begleitet. Mit Engagement und viel Einfühlungsvermögen haben auch Sina Knaus als Beauftragte für populäre Musik und Organistin Ulrike Turwitt den Anlass mitgestaltet.
Mit einem gemütlichen Apéro und einem Imbiss mit Mah-Mee und kleinen Bratwürsten klang der Anlass aus. (lö)