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(Quelle: www.pixabay.com)

«Ich hab die Faser nicht gesponnen, die Stoffe nicht gewebt, die ich am Leibe trage …»

So hat es der evangelische Pfarrer und Liedermacher Fritz Baltruweit (geb. 1955) in einem seiner Lieder ausgedrückt. Nichts von dem, was ich tue, was ich bin, ist denkbar ohne das, was andere vor mir getan haben. Vieles von dem, was ich heute bin, verdanke ich denen, die vor mir waren. Vieles verdanken wir unseren Müttern: Sie haben uns geboren, auch heute noch obliegt die Aufgabe der Kinderbetreuung und -versorgung zu einem grossen Teil den Müttern. Dafür darf man «Danke» sagen, am Muttertag und andernorts. Wenn wir von «mütterlichem Verhalten» sprechen, meinen wir meist versorgen, nähren, sich zuwenden, da sein, kümmern im guten Sinn. Wir merken schon: Solches vermögen auch Frauen, die nicht unsere Mütter sind, ebenso wie Väter, Verwandte und Freunde. Und so ist der Muttertag auch ein Tag, an dem wir uns bedanken können bei all den Menschen, die uns mütterlich begegnet sind: in unseren Kindertagen und vielleicht auch dann noch, wenn wir schon längst erwachsen geworden sind.

«Ich hab die Faser nicht gesponnen …»: Wir werden in ein Gewebe hineingeboren, das schon vor uns da gewesen ist. In ein Gewebe aus zärtlichen Momenten, Leidenschaft, Empfängnis und Geburtsschmerz, auch aus Fehlern, Gewalt und Verrat. All das beeinflusst, wie wir unseren Lebensfaden ansetzen. Zugleich schaffen wir immer wieder Neues. Etwas, das vorher nicht da war. Ich muss nicht das immer gleiche Muster wiederholen. Unser Gott ist ein Gott der neuen Anfänge. Ich bringe meinen Faden ein. Und das Muster wird ein anderes, wird neu. So ha-ben wir Anteil an der Schöpfung als Mitschöpferinnen und Mitschöpfer des Gottes, der aus dem Mund des Propheten Jesaja spricht: «Siehe, ich mache Neues, jetzt spriesst es auf, erkennt ihr es nicht?» (Jesaja 43, 18f)

Und so ist Mütterlichkeit ein Ausdruck dessen, wie Gott ist. Wie ein Kind vor der Geburt umgeben ist von seiner Mutter, ohne sich ein Bild von ihr machen zu können, so ist Gott uns nahe. Denn in ihm «leben, weben und sind wir», schreibt der Apostel Paulus (Apostelgeschichte 17, 28). Es tut gut zu wissen und zu spüren: Wir sind miteinander verbunden im grossen Gewebe des Lebens. In das Gewebe sticken wir unseren Faden hinein, im Vertrauen auf Gott, der alle Fäden in seinen Händen hält.

(Pfrin. Sabine Gritzner-Stoffers)

Veröffentlicht am 7.5.2022 im "Rheintaler" (Mütterlichkeit ist ein Lebensfaden - rheintaler.ch)

Vor kurzem habe ich in meiner Studienzeit die Welt der Häfen erkundet. Von den Seeleuten erhielt ich so manchen technischen Nachhilfeunterricht über Bau und Funktionsweise der Schiffe. Ein Fachbegriff brachte mich zum Nachdenken über mein eigenes Metier. Da gibt es ein Metallstück, das nahe von wichtigen Teilen, die sich unter Wasser befinden, wie der Schiffsschraube, angeschweisst ist. Durch chemische Prozesse rostet dieses Metallstück anstelle des gefährdeten wichtigen Bauteils. Es zersetzt sich und opfert sich sozusagen auf, um etwas anderes zu schützen. Tatsächlich wird dieses Objekt «Opferanode» genannt.
In diesen Tagen denken wir an die Leidenszeit und den Tod Jesu. Er hat die grenzenlose Liebe Gottes zu den Menschen verkörpert, gelehrt und gelebt. Das brachte ihn in Konflikt mit den religiösen und politischen Autoritäten seiner Zeit. Er wurde zum Tode verurteilt und starb am Kreuz. Das deuteten seine Nachfolgerinnen und Nachfolger so, dass Jesus für die Seinen gestorben ist, sich hingegeben und geopfert hat für die Menschen. Jesus tritt an die Stelle derer, die eigentlich schuldig geworden sind. Er geht aus freiem Willen in den Tod und wird damit zur «Opferanode». Ein solcher Gedanke ist für viele heute schwer zu verstehen und auch kaum zu ertragen. Ein Opfer zu sein ist unter Jugendlichen so ziemlich das Schlimmste, was passieren kann. Wir pochen darauf, dass jeder selbst verantwortlich ist für sein Leben und seine Taten. Wenn sich jemand eines Vergehens schuldig macht, kann ihm juristisch niemand die Verurteilung und Strafe abnehmen. Und doch sehe ich es auch in meinem Alltag, dass Menschen etwas auf sich nehmen und für etwas geradestehen, wofür sie nichts können: Eltern für die Taten ihrer Kinder und auch umgekehrt; junge Menschen für den über Generationen verschuldeten Klimawandel; Arbeitskollegen, die den Rüffel des Chefs kassieren, ohne mit den Fingern aufeinander zu zeigen.
Das Opfer Jesu umfasst alle menschlichen Lebensbereiche. Er hat Gottes Liebe bis ins letzte gelebt und die Menschen, die das für sich annehmen, untrennbar mit Gott verbunden. Seine Geschichte endet nicht mit dem Tod. Gott hat Jesus und alles was er getan hat ins Recht gesetzt und bestätigt durch Ostern. Das Leben siegt. Alles was uns zerfrisst und zerstört, angreift und zersetzt wie das rostige Metall, ist für alle Zeiten in seine Schranken gewiesen und kann uns letztendlich nichts anhaben. Jesus hat die todbringenden Kräfte auf sich gelenkt und ermöglicht denen, die ihm nachfolgen, ein Leben in Freiheit und Liebe.

(Pfrin. Manuela Schäfer, erschienen im "Rheintaler am 14.04.2022)

"Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben" - aus England, Wales und Nordirland

Das Weltgebetstagsteam mit Gail Schauwecker (Landesvorstellung, Mitte sitzend) und Musikerin Ulrike Turwitt (links)

Die diesjährige ökumenische Weltgebetstagfeier der Gemeinden Au, Heerbrugg und Berneck stand unter dem Leitgedanken: «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben»! Dieser Anlass wird jeweils am 1. Freitag im März rund um die Erde gefeiert.

Zahlreiche Besucher/-innen kamen am 4.März im Pfarreiheim Au zusammen, um informiert beten und betend zu handeln. Sie zeigten Solidarität mit Frauen in schwierigen Situationen in England, Wales & Nordirland, den Herkunftsländern der Liturgie 2022. Mit Hilfe der Kollekte werden besonders das diesjährige Land und weltweit bestehende Hilfsprojekte finanziell unterstützt.

Für die Einstimmung sorgte ein interessanter Kurzvortrag mit Bildern aus der alten Heimat Wales, von Gail Schauwecker. Den musikalischen Teil begleitete Ulrike Turwitt mit gekonntem Spiel am Klavier.

Darüber hinaus wurde erwähnt, dass der Leitgedanke 2022 «Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben» mit dem Krieg in der Ukraine eine neue Dimension erhalten hat. Die grosse Betroffenheit ist im Schlusslied zum Ausdruck gebracht worden.

Um den Abend noch in Begegnung und Gespräch ausklingen zu lassen, waren die Besucher am Ende der Feier ans Buffet mit kulinarischen Kostproben aus dem Herkunftsland eingeladen.

Das Vorbereitungsteam blickt auf einen gelungenen Anlass zurück und bedankt sich bei allen die dabei waren und mitgeholfen haben. (Christine Kägi)

Die landestypischen Kostproben begeisterten

Das Vorbereitungsteam sucht Verstärkung.

Kontakt: Susanne Aerni aerni.s@hotmail.com 071 7722 07 53

(Foto: Edith Schlegel)

Die Freude war gross, als die evangelische Kirchgemeinde am Fasnachtssamstag in der Bernecker Kirche wieder einmal die Guggesuuser begrüssen konnte. Die Gäste genossen es, sich je nach Temperament zur Musik zu bewegen. Unter dem Motto « Aus dem Rahmen fallen» präsentierten Pfr. Andreas Brändle und Pfrin. Manuela Schäfer fromme und freche Sprüche zum Thema und stellten in gereimter Form die Erzählung vom tanzenden König David sowie eines Mönches vor, dessen Gottesgabe das Tanzen war. Sie ermutigten die Gemeinde, gerade in schwierigen Situationen auf Glaube und Humor zu setzen.  Der Gottesdienst fand in der Reihe der regionalen «Auftakt»-Gottesdienste statt.

Frühmorgens und in den Abendstunden hören wir sie wieder zwitschern. Sie sitzen auf Ästen, in Sträuchern und auf Dachgiebeln: Unsere Singvögel melden sich nach monatelanger Pause wieder zu Wort – oder besser zu Gesang. Mitten im Winter erheben sie ihre Stimmen und verschaffen sich Gehör.

Selten habe ich ihr Gezwitscher so wohltuend erlebt wie in diesem Jahr. Da klingt etwas herüber von den verlässlichen Abläufen der Jahreszeiten und des Lebens. Wie eine sichere Konstante in einer Zeit, in der man frei nach Brechts Lob der Dialektik «Das Sichere ist nicht sicher» immer wieder den Eindruck gewinnt, dass das einzig Sichere die Unsicherheit ist. Eine Zumutung ist das, keine Frage. Vor allem für uns sicherheitsverwöhnte Menschen in Europa. Wir haben uns so sehr an unser planbares, sicheres und versichertes Leben gewöhnt, dass wir grosse Mühe haben, mit der gegenwärtigen Situation umzugehen. 

Die Vögel singen trotzdem. Sie scheren sich nicht um die Umstände, die uns Menschen in diesen Tagen lästigerweise noch immer beschäftigen. Nun könnte man natürlich einwenden, dass es keine grosse Kunst ist, fröhlich zu singen, wenn einen die Umstände nicht betreffen. Aber ganz so einfach ist die Sache nicht vom Tisch. Interessant ist nämlich, dass die Vögel zu einem Zeitpunkt wieder singen, von dem sie eigentlich aufgrund jahrelanger Erfahrung wissen müssten, dass es nochmals schneien wird. Dass der Winter und damit die Tage der Futterkargheit und Kälte keineswegs vorbei sind. Selbst die Verän­derungen, die die Erderwärmung mit sich bringen, haben es noch nicht geschafft, dem Winter Anfang Januar ein Ende zu setzen. 

All das hindert die Vögel nicht daran, fröhlich zu zwitschern. Man kann das für naiv und sinnlos halten. Man kann das winterliche Gezwitscher aber auch als Ausdruck trotzigen Vertrauens hören: Angesichts misslicher Umstände singen die Vögel trotzdem und erwarten den Frühling mit seiner Wärme und einem reichen Angebot an Futter. Die kleinen Gesellen üben sich in Gelassenheit und wenn man das Gezwitscher hört, hat man den Eindruck, sie haben auch noch Spass daran.

Jesus hat einmal gesagt, dass wir auf Gott vertrauen sollen wie die Vögel unter dem Himmel (Markus 6, 26). Wie gut tut das fröhliche und muntere Gezwitscher der kleinen gefiederten Sängerinnen und Sänger! Ich höre darin eine Botschaft für meinen Glauben: Das Versprechen Gottes, dass er seine Welt nicht sich selbst überlässt, dass Neues wächst und dass Gott mit uns geht in das neue Jahr. 

Sabine Gritzner-Stoffers, Pfarrerin in Heerbrugg

Veröffentlicht im "Rheintaler" vom 15.01.2022

Auf der Elbe bei Brunsbüttel (D) - Foto: M.Schäfer

Die Leute am Hafen warten, haben Sehnsucht nach der Ankunft des Schiffes. Sie können es kaum erwarten. Das Schiff kommt von weit her, an Bord hat es seltene, kostbare Waren wie Getreide und Gewürze. Auch lange ersehnte Menschen bringt es mit, Briefe und Nachrichten. Es überwindet weite Distanzen, verbindet die ferne Welt mit der eigenen. Wind und Wetter und mancherlei Gefahren hat es getrotzt, um sein Ziel zu erreichen.

In diesem Jahr wurde in den Radiostationen ein Lied hoch und runter gespielt: das neuseeländische Seefahrer-Lied «Wellerman». Ein schottischer Postbote hatte auf der Video-Plattform «TikTok» im Internet sei-ne eigene Version daraus gemacht und landete damit in den Charts. Tausende andere Menschen liessen sich davon inspirieren und interpretierten den Song auf ihre eigene Art.

Arbeiter singen ihn im Original bei ihrer Arbeit auf den Walfangstationen. Sie sehnen sich nach dem Versorgungsschiff, das ihnen Zucker, Tee und Rum bringen soll. Mit dem Lied vertreiben sie sich ihre Zeit, erle-ben durch den Gesang Gemeinschaft, lenken sich ab vom Eingesperrtsein und der harten Arbeit. Voller Schwung drücken sie ihre Hoffnung aus: Mit dem Schiff kommen neuer Mut und eine Ration Lebensmittel zum Durchhalten. Ihre Situation wird sich bald verändern: Wenn die Arbeit getan ist, ja dann werden sie weggehen! Auch wenn sie irgendwo wissen, dass das noch dauern kann, sie lassen es sich nicht nehmen und singen.

Genauso hartnäckig, sehnsuchtsvoll und verwegen ist die Hoffnung der Christinnen und Christen. «Es kommt ein Schiff geladen», heisst ein altes Adventslied. Wir bereiten uns auf die Ankunft eines besonderen Schiffes vor. Gott schickt das Beste und Nächste von sich, was er hat: seinen Sohn Jesus. Gottes Liebe gibt den nötigen Schwung, bläst mit starkem Wind in die Segel, damit das Schiff bei uns im Hafen landen kann.

Die Ladung ist unscheinbar, hat es aber in sich: ein Kind, das Frieden und Freiheit bringt. Mit dieser sichtbaren Zuneigung Gottes überstehen wir auch schwere Zeiten, selbst wenn wir wissen, dass wir noch lange durchhalten müssen. So spricht das Adventslied auch vom Leiden, das das Kind und auch die Menschen, die ihm nahe sein wollen, ertragen müssen. Das ist kein Weihnachtskitsch, sondern Lebenswirklichkeit. Doch das Hoffnungsschiff ist schon gestartet. Bald, bald kommt es an. Bis dahin singen wir und trösten uns damit wie die Seeleute, die auf ihre lebensnötige Versorgung warten. Stärken wir uns mit Proviant für unseren Weg.

(Pfrin. Manuela Schäfer, Berneck)

Veröffentlicht im "Rheintaler" vom 18.12.2021

Schon etwas her, aber doch nicht so schnell zu vergessen:

Aufregende Ferien in Spanien
Das Camp war vom 1.10.2021 bis 10.10.2021 in Cambrils in Spanien im Hotel les Olivieres.
Von der Kirchgemeinde Berneck-Au-Heerbrugg kamen 10 Jugendliche mit.

Das Abenteuer, welches unter dem Namen Refresh Camp bekannt ist, startete am 1.10.2021, Freitagnachmittag. Vor der evangelischen Kirche in Heerbrugg war unser Treffpunkt. Dort sollten wir als erste vom Car abgeholt werden. Als alle da waren und bereit, den Car zu betreten, ging das Abenteuer endlich los. Die 15 Stunden Fahrt waren nicht so schlimm wie befürchtet. Die vielen Tankstellen und McDonald’s Stopps wie auch die gute Stimmung im Car liessen es nicht zu das jemandem langweilig wurde.
Im Hotel eingetroffen waren wir alle erschöpft. Nicht selten hörte man den einen oder anderen sagen, dass sein Rücken und Nacken schmerzten. Bevor wir unser neues Zuhause für die nächste Woche bestaunen und erkunden durften, ging es zum Buffet. Wir waren alle etwas hungrig und kaum hatten wir das Essen gesehen, stieg die Stimmung. Uns erwartete ein Buffet wie aus einem Traum. Von Brot und Confi über Rührei, Crêpes und Waffeln zu Kuchen hatte es schlichtweg alles. Als wir unsere Zimmer bezogen und die Hotelanlage besichtigen durften, sagte dann auch der letzte nichts mehr. Das Hotel war ein Traum. Niemand hätte sich erträumt ein Lager unter solchen Umständen zu erleben. Wer nach Massenschlägen, Gruppenduschen, langweiligem Programm, engen kleinen Zimmern oder gar dem gümmigem Lageressen suchte war hier falsch. Die Anlage war auf einer Klippe, gelegen, so dass man eine Aussicht hatte, besser als in jeder Werbung. Lief man der Klippe entlang, gab es einen Weg von ein paar Minuten, der zu unserem Strand führte. Direkt vor dem Hotel hatte es mehrere Pools, einen Fußballplatz, einen Basketballplatz, 2 Padél-Felder, ein Volleyballfeld und viel Natur.
Jeder durfte seine Zeit individuell verbringen. Jeden Abend wurde auf der Homepage das Programm des nächsten Tages aufgeladen z.B. Padél, Fussball, Jugger zu spielen oder sich abseilen, ins Wellness gehen, Wasseraerobic, Handlettering. Es hatte für jeden Geschmack immer etwas dabei. Entschied man sich für etwas, konnte man sich einfach anmelden. Wer sich lieber den ganzen Tag am Pool bräunen wollte durfte auch das. Das einzige Pflichtprogramm war grundsätzlich immer morgens und abends. Nach dem alle gebruncht hatten trafen wir uns im Saal. Dort hatte es eine Bühne, eine Leinwand und sehr viel Platz. Jeden Morgen und Abend feierten wir einen Gottesdienst zusammen. Wir sangen sehr viel, hörten mitreisende Lebensgeschichten und erfuhren viel über das Leben. Jeder Tag begann mit einem neuen Motto, welches immer eine Frage war, wie: Was bringts? Diese wurden im Laufe des Tages beantwortet.
Die wichtigste Zeit des Tages war aber die Gruppenzeit. In dieser sass jede Kirchgemeinde separat und erarbeitete individuelle Dinge. Wir haben viel persönliches über die anderen erfahren und wie Gott jedem einzelnen geholfen hat. Jeder von uns hat ein anderes Bild vom perfekten Glauben und genau das war das schöne, denn so hatte jeder die Möglichkeit offen über alles zu reden. Jeder war für jeden da. Alter und Geschlecht spielten keine Rolle. Am Ende des Camps war unsere Gruppe keine zusammengewürfelter Haufen Fremder, die als einziges denselben Glauben teilten. Wir wurden eine Familie.
Abends gab es noch das Abendritual, bei welchem wir am Strand zusammenkamen. Jeder hatte seine eigene Kerze, welche er immer mitnahm. Wir lauschten den Wellen und beteten, so hatte jeder Tag einen angenehmen und beruhigenden Ausklang. Als wäre das nicht schon genug, hatten wir noch 2 spektakuläre Ausflüge. Wir durften einen grossen Markt besuchen gehen. Es hatte Unmengen an Kleidern, Schmuck, Spielzeugen, Tüchern einfach alles Mögliche. Man konnte auch viele spezielle Gebäcke, Süssigkeiten und exotische Früchte und Gemüse kaufen. Unsere Gruppe war immer voll mit Motivation und so kam es dazu, dass wir mitten im Markt in Spanien einen Flashmob tanzten. Glücklicherweise hatten ein paar Musikboxen dabei, mit welchen wir den ganzen Markt mit Musik erfüllten. Viele Fremde schauten uns lange zu und nicht selten zückte der ein oder andere sein Handy, um uns zu filmen. Der andere Ausflug war in 2 geteilt. Jeder entschied, ob er im Camp Nou den heiligen Rasen küssen wolle oder eine Shopping- und City Tour in Barcelona. Ich war in Barcelona und habe es nicht bereut. Die Stadt ist atemberaubend. Die Gebäude sind wunderschön und es hatte unglaublich viele Läden und Stände. Sogar einen Essensmarkt hatte es. Als das Camp am 10.10.2021 sein Ende fand war der Abschied für alle schwer. Nicht selten kullerte die eine oder andere Träne jemandem die Wange runter.

(Text: Lina Haselbach, Teilnehmerin)

Videobearbeitung Sam de Keijzer

Foto:Johanna Groß

In einer deutschen Kleinstadt befindet sich das «Arolsen Archiv» mit Dokumentensammlungen über die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus. Darin sind rund 30 Millionen Akten mit Hinweisen auf die Schicksale von 17,5 Millionen Menschen aufbewahrt. Massenhaft Namen, Zahlen, Orte, Daten, Fakten wie Sand am Meer unüberschaubar.

Sie könnten schnell verloren gehen und verstauben in dunklen Archivschränken, bedeutungslos werden nach so langer Zeit. Doch die Verantwortlichen stellen sich ihrer Aufgabe, mit den Chancen des Internets. Sie bauen das weltweit grösste Onlinearchiv auf, als digitales Denkmal für die Menschen, die damals verfolgt wurden. Ziel ist, dass jeder / jede von überall aus kostenfrei im Internet recherchieren, sich über Schicksale informieren, Forschung betreiben oder Familiengeschichten rekonstruieren kann.

Doch wie kann man diese Herkulesaufgabe bewältigen und die Daten auf Papier ins Internet stellen?

Mehr als 21000 Freiwillige, darunter ganze Schulklassen aus der ganzen Welt, helfen dabei, die Formulare abzutippen. Sie diskutieren, korrigieren einander, finden neue Informationen. Das Projekt heisst «Jeder Name zählt».

Eine Kerze brennt an meinem Schreibtisch, während ich die Namen von Menschen eingebe, die in Konzentrationslagern interniert waren: Iwan, Lea, Karol. Ich lese, wo sie gewohnt haben, wann sie Geburtstag hatten, sehe ihre Nationalität und welche Religion sie hatten. Gedanken mache ich mir auch über diejenigen, die diese Häftlingskarten ausgefüllt haben. Gewissenhaft und korrekt haben sie die Daten aufgenommen, so wie ich jetzt Jahrzehnte später, allerdings aus anderen Motiven. In meiner Muttersprache, mit gestochener oder kunstvoll geschnörkelter Schrift, haben sie aus ihrer Gesinnung heraus über Menschen befunden: «arbeitsscheu» oder «Gesichtsform: Zigeuner», steht da. Die Beurteilungen von bürokratischen NS-Verbrechern sind es nicht, die von einem Menschen bleiben. In stundenlanger Freiwilligenarbeit nehmen sich Volontäre heute mit Hingabe den Schicksalen der Menschen an und wirken mit, dass sie nicht vergessen werden. Jeder Name zählt. Dann wird ein Leben unter Milliarden sichtbar. Das ist die Perspektive Gottes. «Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.» Gott erinnert sich für alle Zeiten an uns. In seinem Gedächtnis sind wir aufgehoben, auch wenn es einmal niemanden mehr geben wird, der sich an uns erinnert. Das tröstet, wenn wir in diesen Tagen an unsere Verstorbenen denken. Das gilt für uns und für alle Toten über Zeit und Raum hinweg.

(Manuela Schäfer, Pfarrerin in Berneck)

Veröffentlicht im "Rheintaler" vom 6.11.2021

Die katholische Pfarrei und die evangelische Kirchgemeinde Berneck begangen miteinander das Erntedankfest. In einem ökumenischen Gottesdienst musizierte das Rex Quintett und berührte mit besinnlichen und fröhlichen Melodien. Pfarrer Josef Benz und Pfarrerin Manuela Schäfer betrachteten Erntedank im Jahreslauf und ermutigten zu Dank gegenüber Gott, dem Geber aller Gaben, und zu Grosszügigkeit bei den Mitmenschen. Die zahlreichen Mitfeiernden genossen den Anblick der mit den Erntegaben reich geschmückte Kirche und freuten sich anschliessend am Beisammensein beim Apéro auf dem Kirchplatz. (ms)

Bilder und Text: Markus Löliger

Die Männerchöre Au Berneck und Heerbrugg umrahmten den Bettags-Gottesdienst in der Kirche Berneck musikalisch.

Erster Gottesdienst ohne Masken seit langem

Am Bettag (19. September) konnte zum ersten Mal seit langem ein Gottesdienst ohne Masken gefeiert werden. 3G und dem Zertifikat sei Dank. Das kam nicht nur dem „ungehinderten“ Gesang der Kirchenbesuchenden in der Kirche Berneck zugute, sondern auch der musikalischen Gestaltung durch die vereinigten Männerchöre von Au Berneck und Heerbrugg.

Eine Taufe ergänzte die Feierlichkeit des traditionellen Bettags-Gottesdienstes, der eine schweizerische Spezialität darstellt – entstanden in den Wirren und Kämpfen vor der Gründung der Eidgenossenschaft 1848. Dank geschicktem Verhalten der Politik konnte damals der Sonderbundskrieg zwischen den beiden Konfessionen nach kurzer Zeit mit wenigen Opfern beendet werden. Damals wurde der Dank-, Buss- und Bettag als religiös-politischer Feiertag in allen Kantonen eingeführt. Der neue eidgenössische Feiertag sollte den neu geschaffenen Bundesstaat einen.

Den richtigen Weg weisen

Es sollte ein Tag des Dankes, der Busse und des Gebets sein. Pfarrerin Sabine Gritzner-Stoffers verlas das Bettagsmandat der Kantonalkirche und zeigte in leichtverständlicher Form auf, warum gerade in diesem Jahr mit der Corona-Pandemie dem Bettag und den dahinterstehenden Gedanken eine besondere Bedeutung zukomme: „Der Gedanke der gegenseitigen Verbundenheit trägt die Gesellschaft in besonderem Mass und ist eine wichtige Basis für das Zusammenleben untereinander.“ Mit Busse sei die Umkehr auf einem als falsch erkannten Weg gemeint. Das habe damals gegolten und sei auch heute ein wichtiges Signal für die Gesellschaft. Das Beten zeige uns den Weg zu Gott und zur gegenseitigen Unterstützung und gesellschaftlichen Achtung.

Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von den vereinigten Männerchören Au Berneck und Heerbrugg unter der Leitung von Karl-Heinz Rigger. Den Abschluss bildete der traditionelle Imbiss im Torkel Berneck.

Das 3G-Zertifikat wird vor der Kirche mit einem Klick geprüft.

Eine Taufe bereicherte den Bettags-Gottesdienst in der reformierten Kirche Berneck.
Ausklang des Gottesdienstes im Torkel bei Grillwurst und Wein.